© Sebastian Stielke, Foto: PMSG, Sophie Jäger

Den Filmstars in der Medienstadt Babelsberg auf der Spur

Veröffentlicht am 8. August 2017 | Sophie Jäger

Anne und Sophie von der PMSG mit Schauspieler Sebastian Stielke auf Medienstadt-Tour

Potsdam pflegt eine lange währende, national wie international bedeutende Filmtradition. Die Medienstadt Babelsberg ist der Dreh- und Angelpunkt des filmischen Geschehens. Hier ist nicht nur das Studio Babelsberg beheimatet, auch der Filmpark, die Filmuniversität und die Filmförderanstalt Medienboard Berlin-Brandenburg haben ihren Sitz in Babelsberg.

Gemeinsam mit dem Schauspieler und Potsdam-Experten Sebastian Stielke haben wir uns vergangene Woche auf die Spuren der DEFA-Sternchen begeben, das „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten-Außenset“ besucht und Studierenden der Filmuniversität bei ihrer Arbeit über die Schultern gesehen.

Unsere Tour startet am Bahnhof Griebnitzsee. In der „Erfrischungshalle“ führt uns Sebastian Stielke bei einem leckeren Kaffee mit Blick auf den Griebnitzsee in das Thema ein. Der Schauspieler befasst sich bereits seit vielen Jahren mit Potsdam und seiner Filmgeschichte und ist auch Mitarbeiter des Filmmuseums Potsdam.

An der Pforte von Hermine Körner in der Villenkolonie Neubabelsberg

Das erste Ziel ist die Villenkolonie Neubabelsberg. Wir spazieren vorbei an den Häusern der UFA- und DEFA-Filmgrößen, staunen über die prächtigen Fassaden aus der Kaiserzeit und vor allem sind wir gefesselt von den Geschichten, die mit diesen Gemäuern verwoben sind und in eine andere Zeit entführen. Eine Zeit, in der Schauspieler noch von ihrem Beruf leben und sich halbe Schlösser leisten konnten. Wir halten vor einer Villa, in deren Garten ein elektrischer Rasenmäher fleißig seine Runden dreht. Voller Begeisterung erzählt uns Sebastian die Geschichte von einem jungen Mann, der einst an der Pforte dieser Villa verharrte, bis die Grande Dame Hermine Körner, Schauspielerin, Regisseurin und Theaterleiterin, ihm endlich Einlass gewährte und ihn vorsprechen ließ. Obwohl der Mann talentbefreit schien, ließ sie ihn nicht ziehen. Es war wohl der Schalk in seinem Nacken, der sie dazu bewog, ihm eine Chance zu geben. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellte. Denn dieser junge Mann war kein anderer als Heinz Rühmann, der unter anderem durch seine Rollen in „Die Drei von der Tankstelle“ oder „Die Feuerzangenbowle“ zu einem der bekanntesten, deutschen Schauspieler des 20. Jahrhunderts wurde.

Schließlich stehen wir vor der nächsten geschichtsträchtigen Villa: dem Haus Erlenkamp, auch „little white house“ genannt. Hier logierte einst US-Präsident Truman während er mit dem sowjetischen Diktator Josef Stalin und dem britischen Premier Winston Churchill im Schloss Cecilienhof über die künftige Weltordnung konferierte. In dieser Villa am Griebnitzsee unterzeichnete Truman am 25. Juli 1945 den Befehl zum Abwurf der Atombombe auf Hiroshima. Wir schauen auf die Villa und uns überkommt eine Gänsehaut. Wie kann man an so einem hübschen Fleckchen Erde nur so eine grausame Entscheidung fällen?!

Schnell geht es weiter. Von der Villenkolonie Neubabelsberg führt uns unsere Tour am Hasso Plattner Institut vorbei zur Universität Potsdam. Im Lichthof des Eingangsbereiches sowie im Säulengang des stalinistisch anmutenden, imposanten Gebäudes wurde 1981 István Szabós „Mephisto“ mit Klaus Maria Brandauer und Rolf Hoppe in den Hauptrollen gedreht.

Wir radeln weiter, biegen in die Marlene-Dietrich-Allee ein, vorbei am ZDF-Landesstudio Brandenburg und der electronic media school, überqueren das rbb-Gelände und bleiben vor der „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“-Außenkulisse stehen. Sebastian verrät uns, dass Fernsehkulissen keineswegs mit Filmkulissen – also für Kinofilme – vergleichbar seien. Allein am Bürgersteig werde dies deutlich. Da es sich beim GZSZ-Bürgersteig nicht um Steinplatten, sondern um Holzkonstruktionen handele, müsse beim Dreh stets darauf geachtet werden, dass nicht zu viele Komparsen gleichzeitig darauf stehen. Wer hätte das gedacht?!

Zugang zum Gelände des Studio Babelsberg

Wir schlendern weiter über das Studio Babelsberg-Gelände. Bereits 1911 wurde der Grundstein für das Studio gelegt, das damit das älteste Großatelier-Filmstudio der Welt ist. Das Gelände ist groß. Kein Wunder – wer hier dreht, bekommt die gesamte Palette geboten. „One-Stop-Shop“ nennt es sich, wenn ein Studio alle Phasen und Bereiche der Filmproduktion an einem Standort abdeckt. Filmemacher aus der ganzen Welt wissen diesen Service zu schätzen. Schauspieler-Stars wie Matt Damon, Natalie Portman, Brad Pitt, Tom Hanks, Cate Blanchett, Hugh Grant und George Clooney und die zahlreichen deutschen Filmstars geben sich hier die Klinke in die Hand. Gern hätten wir mal Mäuschen gespielt, doch natürlich ist alles streng geheim. Und auf dem gesamten Gelände gilt striktes Fotografierverbot. Die Entschädigung gibt es dann aber in der Filmuniversität. Allein das Gebäude ist einen Besuch wert.

Kulissenbau im Studiengang Animation

Außerdem haben wir mit Sebastian einen Kenner an unserer Seite – schließlich wurde er hier 2002 bis 2006 selbst ausgebildet. Zielgerichtet führt er uns in den Keller. Hier sind zwar keine Hollywoodstars am Werk, aber spannend finden wir es trotzdem, den Studierenden im Studiengang Animation bei ihrer Arbeit am Kulissenbau über die Schulter zu schauen. Ein Stop-Motion-Film mit dem Arbeitstitel „Laika Nemo“ entsteht hier. Auch Regisseur Andreas Dresen, Schauspieler Bjarne Mädel und Seeed-Frontmann Dellé haben übrigens in Babelsberg ihr Handwerk gelernt.

Den Filmpark Babelsberg lassen wir bei unserer Tour aus, obwohl er genau zwischen der Filmuniversität und dem Studiogelände liegt. Aber nach vier Stunden sind wir nicht film- sondern pausenreif. Also geht es über die Großbeerenstraße zurück Richtung Innenstadt, wo wir uns in der Sonne ein Eis gönnen. Wir lassen die Eindrücke unserer Tour sacken und staunen über die vielen Dinge, die wir als Potsdamer wieder dazugelernt haben.

In Potsdam kann man eben nicht nur Filme kieken, sondern auch hinter die Kulissen schauen. Allen Filmliebhabern und -interessierten legen wir eine Führung durch die Villenkolonie Neubabelsberg oder die Medienstadt Babelsberg ans Herz. Das Studio Babelsberg bietet ebenfalls exklusive Besucherführungen für ausgewählte Bereiche des Geländes an.