© Fahrradkonzert, PMSG/Sophie Jäger

Musikfestspiele│Bach, Brass & BMX

Veröffentlicht am 14. Juni 2017 | Sophie Jäger

7 Seen, 7 Kirchen, 24 Konzerte und 20 Orte standen auf dem Programm des diesjährigen Fahrradkonzerts der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, das am vergangenen Sonntag in achter Auflage stattfand. 1500 gut gelaunte Radler schwangen sich bei schönsten Sommerwetter auf ihre Drahtesel, um auf 33 bzw. 24 Kilometern in den Genuss der vollen Packung Kultur zu kommen. Vier von ihnen waren wir: mein Freund, meine 2-jährige Tochter, meine Freundin Lisa und ich – allesamt Fahrradkonzert-Debütanten. Wir entschieden uns für die abgespeckte Tour 1 von 24 Kilometern, die sich aufgrund ihrer Länge und der zusätzlichen Kinder-Programmpunkte vor allem an Familien richtete.

Nachdem wir am Luisenplatz eingecheckt hatten, führte unsere Tour erst einmal zum Alten Markt. Die Tänzer des „Feuerflamenco“ waren schön anzuschauen, aber Funken wollten irgendwie nicht so richtig sprühen. Doch die anschließende Turmbesteigung des Potsdam Museums machte das wett. Aus den Fenstern zu Füßen des Goldenen Atlas bot sich einer toller Blick über den Alten Markt: in seiner neuen Gestalt ein wahres Schmuckstück! Auch die Pneumaphone von Godfried-Willem Raes, ebenfalls im Potsdam Museum, begeisterten uns. Indem man sich auf ein Luftkissen niederließ oder es drückte, löste man unterschiedliche, zum Teil sehr skurrile Töne aus. Und so pfiff, quietschte und mähte es aus den an die Luftkissen angeschlossenen Flöten, Grammophonen und anderen Schallbechern.

Mit der Brassband Schlossplatzquartett wurde selbst die Mittagspause im Forsthaus Templin zum Kulturevent. Obwohl die Radler sich mehr für Bier und Bratwurst als für Brass interessierten, sorgten die Jungs für ein nettes Begleitprogramm. Satt und zufrieden radelten wir weiter nach Caputh. Da ich das Einsteinhaus selbst schon kannte, stürzte ich mich direkt in den Wohlfühlgarten des Sommerhauses. Dort begann just das Trio Spiegelwelt sein Klassikprogramm von Bach bis Piazzolla. Die drei sympathischen und beschwingten Musiker sorgten in nur wenigen Augenblicken sofort für gute Laune. Gepaart mit der fröhlich-leichten Auswahl ihrer Stücke und der tollen Kulisse bleibt dieser Programmpunkt unser absoluter Tageshöhepunkt.

Am Schloss Caputh legten wir nur einen kurzen Stopp ein. Die „Wheel Machines“ erspähte meine Tochter schon von weitem und so begutachteten wir die interessante Installation aus sich drehenden Fahrradteilen noch einmal von nahem, bevor uns die „Tussy II“, ja, so heißt die flotte Seilfähre, Richtung Geltow übersetzte. Den malerischen Weg entlang des Petzinsees radelten wir bis zum Campingplatz Sanssouci. Zu den Percussionklängen von Mohammend Reza Mortazavi gönnten wir unseren müden Füßen eine kleine Abkühlung, bevor wir unsere letzte Station ansteuerten: die BMX-Performance im wieder belebten Bahnhof Pirschheide. Begleitet vom Berlin Chamber Players Quartet drehte, hüpfte und balancierte Viki Gómez mit seinem drahtigen Tanzpartner leichtfüßig über das Parkett. Die Führung durch das Dampfmaschinenhaus, die mich sehr interessiert hätte, sowie das furiose Abschlusskonzert im Nikolaisaal mussten leider ohne uns stattfinden, da wir es nicht mehr rechtzeitig erreichen konnten. Bei einem Wein ließen wir diesen erlebnisreichen Tag ausklingen. Geschafft und glücklich. Das Konzept des Fahrradkonzerts hat uns überzeugt! Auch wenn uns die geballte Ladung Kultur bei 30 Grad ganz schön ins Schwitzen brachte, waren wir begeistert von den schönen Orten, der guten Organisation und der ausgelassenen Stimmung.

Beitrag von Sophie Jäger, Mitarbeiterin der Content Redaktion der PMSG Potsdam Marketing und Service GmbH, im Auftrag von Musikfestspiele Potsdam Sanssouci