© Museum Barberini, Foto: André Stiebitz

Die eine geht, eine neue kommt ─ Abschied von der DDR-Kunst

Veröffentlicht am 22. Februar 2018 | Sophie Jäger

Das Museum Barberini überrascht mit immer wieder großen, und gut kuratierten Ausstellungen. Anfang Februar nahm ich Abschied von der DDR-Ausstellung „Hinter der Maske. Künstler in der DDR”. Ich nutzte die Gelegenheit, mich noch einmal in meine lieb gewonnenen Bilder zu vertiefen.

Die Kunst der DDR fand seit der deutschen Wiedervereinigung wenig Beachtung. Die Ausstellung „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“ mit 117 Werken von 87 Künstlern, die aus privaten und öffentlichen Sammlungen stammen, war vom ersten Tag an gut besucht. Die Bildauswahl mit Werken von Willi Sitte, Wolfgang Mattheuer, Bernard Heisig, Werner Tübke und vielen anderen wurde von den Kunstwissenschaftlern Valerie Hortolani und Michael Philipp getroffen. Beide haben nie in der DDR gelebt. Auch Hasso Plattner ist ein Sammler von DDR-Kunst.

40 Jahre lang unterlag die Kunst in der DDR der Kontrolle der SED und der Zensur. Für eine selbständige Existenz als Künstler war eine Mitgliedschaft in einem der Berufsverbände erforderlich, wie dem Verband Bildender Künstler der DDR. Eine Kunstfreiheit war in der DDR nicht gewährleistet. DDR-Kunst hat den Ruf, stets im Bezug zum Staat und zur Gesellschaft zu stehen. Die Ausstellung zeigt uns aber etwas anderes. Auch der Titel „Hinter der Maske“ hatte bereits im Vorfeld zu vielen Diskussionen geführt. Die Maske suggeriert, dass jeder Künstler in der DDR sich mit seiner Rolle auseinandersetzen musste. Eine Maske kann das Gesicht schützen, damit sind aber auch Verwandlungen möglich. Ein Beispiel dafür ist der „Kopf mit Maske“ von Theo Balden. Ein 35 Zentimeter hoher Kopf mit einer Maske. In Gesichtern kann man lesen. Hier aber handelt es sich um ein doppeltes Spiel. Ich kenne seine Lebensgeschichte: Theo Balden, der eigentlich Otto Koehler hieß, verdankt sein Leben einem doppelten Spiel. Der Kommunist konnte 1935 der Verfolgung durch die Nazis nur mit einem gefälschten Pass entkommen und floh unter falschem Namen nach Prag. Den Namen Theo Balden behielt er später bei. Übrigens, er hat auch das Denkmal mit dem Titel „Karl Liebknecht – Herz und Flamme der Revolution“ für Potsdam geschaffen. Es steht nur wenige Hundert Meter entfernt im Lustgarten. Arbeiterporträts wurden von staatlichen Auftraggebern sehr oft bestellt. Das „Selbstporträt mit Arbeiter“ von Norbert Wagenbrett entstand 1983. Im Zentrum dieses Bildes steht ein Mann mit einem weißen Hemd. Der Künstler daneben nimmt sich zurück. Beide ähneln sich, aber betrachten sie sich misstrauisch oder interessiert? Ich habe mich für misstrauisch entschieden.

Das Museum war wie immer sehr gut besucht und in der Abteilung „Zeitgenössische Positionen“ aus den USA und Mexiko traf ich auf eine Kollegin. Sie betrachtete sehr lange das kleine Bild des „Adlertänzers“ von Dan Namingha. Wir kamen ins Gespräch und auch sie war heute nochmal ins Museum gekommen, um Abschied von ihren Lieblingsbildern zu nehmen, bevor sie zu ihren Besitzern zurückkehren. Erst jetzt sah ich mir den Adlertänzer und dessen Farbenpacht, die aus Orange, Weiß, Blau, Türkis, Gelb, Rot und Schwarz besteht, genauer an. Einen Adlerkopf und einen Adlerschnabel nahm ich wahr. Zu Hause angekommen habe ich dann sofort nach dem Künstler gegoogelt. Dan Namingha ist ein begabter, origineller indianischer Künstler im heutigen Amerika. Diesem Ausstellungsbereich habe ich leider zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Nach den Impressionisten und „Von Hopper bis Rothko” war ich auch von dieser DDR-Ausstellung besonders begeistert. Nun freue ich mich aber auch auf die Werke Max Beckmanns, die gerade in das Museum eingezogen sind. Danach folgen vom 30. Juni bis 7. Oktober 80 abstrakte Werke von Gerhard Richter und ab 17. November erwartet uns eine Schau des Neoimpressionisten Henri-Edmond Cross.

Ich finde jedenfalls: Das Museum Barberini ist immer ein Besuch wert!