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Die Neptungrotte nach der Fertigstellung – das Wasser plätschert wieder

Veröffentlicht am 19. November 2018 | Nadine Redlich

Meine Kollegin Nino Takaishvili-Said hat in unserem Blog schon über einen Ihrer Lieblingsorte im Park Sanssouci geschrieben – die Neptungrotte. Sie wartete ungeduldig auf den Abschluss der Sanierung und tatsächlich war es am 10.10.2018 soweit. Feierlich wurde die Neptungrotte der Öffentlichkeit vorgestellt.

Günther Jauch steht vor der frisch sanierten Neptungrotte im Park Sanssouci in Potsdam

Endlich erstrahlt die Neptungrotte nach langjähriger Sanierung wieder.

Die Grotte im östlichen Lustgarten ist nun wieder zugänglich und die diversen Marmorvariatäten von Kauffunger und Carrara Marmor erstrahlen wieder in schönstem Glanz, Rosa und Weiß um die Wette. Stellvertretend für alle privaten Geldgeber, die die Sanierung möglich machten, gab Günther Jauch, mit dem Dreizack Neptuns in der Hand, das Kommando zum Start des Wasserbetriebs … und das Wasser plätscherte die Muschelbecken hinab!

Allerdings, das ist der Wermutstropfen, werden wir in Zukunft eher zu besonderen Gelegenheiten erneut das Glück haben, die Grotte in der von Friedrich II. gedachten Funktion mit rauschenden Wasser zu sehen. Wobei Friedrich II. die letzte Schöpfung seines Architekten Knobbelsdorf für den Park Sanssouci auch nur im „Trockenzustand“ kennengelernt haben dürfte. Bekanntlich waren die Versuche Friedrichs, die Fontänen im Park Sanssouci sprudeln zu lassen, sehr teuer und nicht von Erfolg gekrönt. Der königliche Oberhofrat Heinrich Ludwig Manger kritisiert in seiner 1789 erschienenen Baugeschichte Potsdams Friedrich den Großen, weil dieser zu billig bauen wollte, auf die falschen „Experten“ setzte und seine eigenen Fachkenntnisse zu hoch einschätze. Ein Vermögen hat er bis 1763 ausgegeben und am Ende sprudelte nur die Fontäne vor der Bildergalerie am Karfreitag 1754 für eine halbe Stunde.

Friedrich Wilhelm IV. bringt das Wasser in den Park Sanssouci

Zentral über dem Eingang ist der Neptung auf das Portal gesetzt.

Beindruckend ragt der Neptun über der Grotte auf.

Vollendet hat der Romantiker auf dem Thron, Friedrich Wilhelm IV., was sein großer Vorgänger nicht schaffte, das Wasser im Park Sanssouci sprudeln zu lassen. An der Neustädter Havelbucht wurde ab 1841 nach einem Entwurf von Ludwig Persius die Moschee gebaut, die in Ihrem Inneren eine moderne Dampfmaschine von August Borsig aus Berlin verbarg und die seitdem das Wasser der Havel über gusseiserne Rohre bis in das unter Friedrich entstandene Wasserbassin auf dem Ruinenberg pumpte. Von hier lief es den Berg wieder hinab und nicht nur die von Friedrich gewünschten Wasserspiele funktionierten nun, sondern es entstanden viele neue Brunnenanlagen.

Wiederherstellung der Grotte

Auch an der Neptungrotte plätscherte seit dem Romantiker auf dem Thron das Wasser aus den Amphoren der Najaden die Muschelbecken hinab. Seit dem Ende der Monarchie verfielen die komplizierten Zuleitungen und auch die Grotte. Hierzu kam Vandalismus. Insofern war eine Restaurierung in diesem Dornröschenbereich des Parks Sanssouci dringend notwendig. Durch Spenden privater Geldgeber und der Besucher der Schlössernacht ist die Restaurierung seit 2013 möglich gewesen.

Beginn der Arbeiten

Tatsächlich muss man eher von einer Sanierung sprechen, da man während der Voruntersuchungen beispielsweise feststellte, dass die tragenden Säulen der Fassade auf alten Lehmgruben standen und daher immer mehr abrutschten. Bis in die Tiefe von 13 m reichen nun die neuen Gründungen der Säulen. Eine Abdichtung gegen die typische Potsdamer Bodenfeuchte wurde zur Sicherung im Innenraum genauso notwendig, wie eine Festigung aller Marmoroberflächen der Fassadenteile. Hierfür waren zeitweise bis zu 70 % der Fassadenelemente ausgebaut, da einige Elemente eine Volltränkung mit Acrylharz erhielten, die in Deutschland nur in Bamberg vorgenommen werden kann. Andere Teile waren in den Werkstätten der Stiftung preußische Schlüsser und Gärten zur Restaurierung.

Ab März 2018 wurde vor Ort wieder zusammengefügt und ich erinnere mich an meine Besuche auf der Baustelle im Sommer bei über 30 Grad. Mein Mitleid für meine Freundin, die in einem wasserdichten Ganzkörperanzug steckte, wo eigentlich nur die Nase rauslugte, weil auch der Kopf in einer Kapuze des Anzuges verborgen war damit sie mit einem Wasserschleifer die Marmorverkrustungen an der Oberfläche abschleifen konnte. Danach war das Rosa und Weiß der verschiedenen Marmorsorten wieder erkennbar. Das war Schwerstarbeit, schweißtreibend und auch sonst sehr feucht.

Im Inneren der Grotte

In der Grotte selbst, in die wir nun durch das wieder gülden glänzende Gittertor schauen können, sind zusätzlich zu den vor Ort (in situ) gefestigten Muscheln und Mineralien über 15 000 neue Muscheln versetzt worden. Eine wahre Geduldsarbeit und zwar nicht nur im Versetzen, sondern auch in der Suche nach dem geeigneten Material.

Das Ergebnis ist beeindruckend. Nino und ich, vielleicht auch Sie, freuen uns an einem „Neuen Alten“ Kleinod im Park Sanssouci.

Neptungrotte im Park Sanssouci

Die Neptungrotte in der Parkanlage Sanssouci entstand in den Jahren 1751 bis 1757 auf der Ostseite des Areals im Zuge der Planung zahlreicher Wasserspiele. Die Grotte ist ein einzigartiges Denkmal aus…

Dampfmaschinenhaus (Moschee)

Eine Moschee mit Minarett besitzt Potsdam schon seit 1841. Friedrich Wilhelm IV., der “Romantiker auf dem Thron”, ließ das innen und außen reich verzierte Bauwerk an der Neustädter…