© Chinesisches Haus mit Samowar, Foto: SPSG/PMSG André Stiebitz

Ein kleines Juwel im Park Sanssouci – Das Chinesische Haus

Veröffentlicht am 17. Juli 2020 | Sophie Jäger

Park Sanssouci – Das sind satte grüne Wiesen, feuerrote Buchen und sommerlich bunte Blumenpracht wie zu Zeiten Friedrichs des Großen (1740 – 1786). Malerisch eingebettet in diese Gartenlandschaft findet man die Schlösser, die sich die Monarchen, häufig nach bereits bestehenden Gebäuden in ganz Europa, bauen ließen.

Das versteckte Juwel

Folgt man dem sogenannten Ökonomieweg vom Schloss Sanssouci Richtung Neues Palais, so wird man nach wenigen Minuten auf der rechten Seite das Chinesische Haus entdecken, auch als Teehaus bekannt. Das kleine Juwel aus der Zeit Friedrichs des Großen diente dem König als Sommerspeisesaal oder auch als Teesalon für seine berühmte Tafelrunde von Sanssouci. Gleich gegebenüber, auf der anderen Seite des Weges, befand sich die zugehörige Küche.

Was verbirgt sich hinter dem Chinesischen Teehaus?

Die China-Mode in Preußen und am Hofe Friedrichs II. hat eine lange Familientradition. Der junge König wuchs mit royaler „Chinabegeisterung“ auf und auch die entsprechende Literatur fehlte  in seinen berühmten Bibliotheken nicht. Das Chinesische Teehaus ist der Inbegriff dieser Euphorie. Es erscheint versteckt zwischen Bäumen und Gebüschen, in einem Gartenteil, der im anglo-chinoisen Stil angelegt und früher das „chinesische Boskett“ genannt wurde. Ursprünglich sollten die hohen Hecken, womit das Teehaus umgeben war, einen Überraschungseffekt für die Hofbesucher erzeugen, ein Effekt der teilweise auch heute noch erhalten ist! Das Haus selber strahlt mit feinem, goldglänzendem Schmuck. Beim Betrachten aus der Vogelperspektive zeigt sich die Grundform eines Kleeblatts, welches durch den Baumeister Johann Gottfried von Büring auf Wunsch des Königs erweitert und teilweise in der Form eines Rundtempels ausgeführt wurde. Vergoldete Palmen übernehmen dabei die Funktion von Tragesäulen antiker Bauten. Um das Teehaus herum und auf den überdachten Terrassen werden Szenen dargestellt, die sehr unterhaltsam wirken. Lebensgroße sitzende vergoldete chinoise Figuren, welche Tee oder auch Kaffee trinken, auf unterschiedlichen Instrumenten musizieren, exotische Früchte servieren und sich unterhalten. Diese „galante“ Gesellschaft wirkt fröhlich und theatralisch. Auch das runde Kupferdach des Teehauses birgt Überraschungen: Die darauf abgebildeten langen Drachen scheinen sich im Kreis zu bewegen, als ob es ein Karussell wäre. Ein wichtiges Detail befindet sich zudem auf der Dachspitze des Hauses. Auf einem Kissen ruht dort die männliche Gestalt eines „Götzenbildes“, wie in den Tempeln von China - nur an einem ungewöhnlichen Platz. Die vergoldete Figur wird sehr unterschiedlich interpretiert. Friedrich der Große ließ vielseitige Charaktere in dieser merkwürdigen Figur einfließen. Man erkennt einen Greis, der in der Hand einen Caduceus hält, auch als Hermesstab bekannt. Er trägt einen Federhut auf dem Kopf, der die Attribute des römischen Gottes Merkur oder des griechischen Gottes Hermes andeuten. Andere Stimmen behaupten, der Greis wäre der chinesische Philosoph Konfuzius, dessen vergoldeter Sonnenschirm in Richtung Osten zeigt.

Chinesisches Haus im Winter, Foto: SPSG/PMSG Nadine Redlich
Chinesisches Haus im Winter, Foto: SPSG/PMSG Nadine Redlich

Wie sieht das Chinesische Haus von Innen aus?

Der runde Teesalon, in dem auch die berühmte Tafelrunde von Sanssouci Tee oder Kaffee genoss, lädt mit fröhlichen und sanften Farben zum Verweilen ein. Malereien an den Wänden zeigen eine chinesische Gesellschaft. Porzellanvasen stehen auf den Wandkonsolen, vergoldete Reliefs mit Affenfiguren zieren die Wände. Auch im Außenbereich trifft man auf Affen, die sogleich Theatralisches, Musisches und Exotisches widerspiegeln. Amüsant wirkt auch das Kuppelfresko: ein roter Papagei mit ausgebreiteten Flügeln und einer langen bunten Blumengirlande im Schnabel schaut stolz auf die Gesellschaft, die einst unter ihm tafelte, herab.

Das Haus lädt zu einer spannenden Entdeckungsreise ein, entführt in eine andere Kultur und spiegelt das Interesse wider, das bereits Friedrich der Große an fremden Kulturen hatte.

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