© Spaziergang durch den Neuen Garten, Foto: PMSG Nadine Redlich

Ein Spaziergang durch den Neuen Garten

Veröffentlicht am 5. November 2018 | Nadine Redlich

Den Neuen Garten – eine der schönsten Kulturlandschaften Potsdams, gelegen am Heiligen See und am Jungfernsee – ließ Friedrich Wilhelm II., Neffe und Thronfolger Friedrich des Großen zwischen 1787 – 1792 für sich anlegen. Die Lage am Wasser war für ihn besonders wichtig. Er ließ direkt am Heiligen See sein Sommerrefugium – das Marmorhaus – im klassizistischen Stil errichten.

Friedrich Wilhelm II., als „vielgeliebter“ und „vielverliebter“ Mensch, war schon als Kronprinz mit diesem Ort vertraut. Es war ein Ort für sein Liebesamusement. Ein geliebtes Mädchen, das er heimlich am See getroffen haben soll, war die Tochter eines Hofmusikanten. Wilhelmine Encke, später zur Gräfin von Lichtenau ernannt, wurde auch die „preußische Pompadour“ bezeichnet. Trotz mehrerer Ehen des Königs, blieb Wilhelmine ihm über 35 Jahre treu.

Der Neue Garten ist ein sogenannter sentimentaler, durch englische Landschaftsarchitektur geprägter Garten dessen Gärtnermeister des 18. und 19. Jhr., Johann August Eysebeck und Peter Josef Lenné waren. Einmalig sind die Sichtachsen und Sichtbeziehungen. Die Gartenarchitekturen, Bäume und Wege, das Wasser und die Wiesen sowie die Pflanzen, schaffen einmalige Eindrücke.

Mystik im Neuen Garten

Sonnenstrahlen über dem Eingang der Muschelgrotte

Der Eingang zur Muschelgrotte

Für mich wirkt der Neue Garten geheimnisvoll und geradezu mystisch. Immerhin war Friedrich Wilhelm II. Anhänger des spirituellen Geheimbundes der Rosenkreutzer, der ägyptische Symbole verwendete.
Vielleicht vermitteln der Sphinx der Orangerie oder die neugotische Bibliothek diese Mystik? Zu letzterer – der Gotischen Bibliothek – gelange ich an der südlichen Spitze des Heiligen Sees.

Idylisch gelegen am Heiligen See, mit der Sichtbeziehung zum Marmorpalais und zum Grünen Haus ganz am Ende des Heiligen Sees, wurde sie vom Architekten Carl Gotthard Langhans 1792-1794 aus Sandstein in neugotischer Form gebaut. Das zweigeschossige Gebäude, das auf einem Oktogongrundriss ruht, ist von einem vierseitigen Arkadengang umgeben.
Eine Wendeltreppe führt zur Belvedere – einer der schönsten Aussichten am Heiligen See.

Die Gotische Bibliothek

Die Gotische Bibliothek am Ufer des Heiligen Sees im Neuen Garten (Potsdam)

Die Gotische Bibliothek am Ufer des Heiligen Sees im Neuen Garten (Potsdam)

1000 Bücher aus seinem Besitz, alle mit grünem Ziegenleder überzogen und mit den Initialen „N.G.“ gekennzeichnet, waren hier untergebracht. Darunter u.a. Werke deutscher Autoren, wie Lessing, Goethe, Schiller, und in deutscher Übersetzung z.B. Shakespeare. Seine geheimen Bücher hingegen waren weit von hier in seinem Schlafkabinett im Marmorpalais aufbewahrt. Wenn ich die Gotische Bibliothek von außen betrachte, sehe ich kaum Spuren des Zweiten Weltkrieges, die man von den Bildern kennt. Ein Bombentreffer zerstörte einen Teil des Gebäudes und liess es im feuchten Grund versacken. Das 1000jährige Jubiläum der Stadt Potsdam 1993, gewährleistete dann die finanzielle Unterstützug aus Berlin für die Sanierung. Wenn in der farbenprächigen Herbstzeit Nebel den Heiligen See bedeckt und über die Gotische Bibliothek steigt, erscheint der Ort noch geheimnisvoller.

Die Chrystall- und Muschelgrotte im Neuen Garten

Eine andere imposante Begegnung erwartet mich im nördlichsten Teil des Neuen Gartens. Am Jungfernsee, nicht weit vom Schloss Cecilienhof entfernt, mit der Sichtbeziehung zur Meierei im Norden, liegt eine Staffage – ein aussergewöhnlicher Bau aus der Zeit Friedrich Wilhelms II. Er folgte der Tradition seines Onkels Friedrich des Großen und ließ hier am Jungfernsee 1791 – 1792 mit der Muschelgrotte ein kleines Juwel als Rückzugsort für warme Sommertage errichten.

Die Muschelgrotte sollte nach dem Wunsch des Königs,von außen auf keinen Fall über ihre innere
Schönheit preisgeben. Am See entlangschlendernd, zeigt sich mir zunächst eine seltsame, sehr natürlich wirkende Ruine, die unter einem mit Bäumen und Sträuchern überwachsenen Hügel hervorragt.
Laut der Überlieferungen wurde der Bau von außen mit Tuff- und Raseneisenstein, mit Kalktuff und Gipsstein, mit Schlacke und geschmolzenen Ziegeln gebaut. Innen sieht man einen zentralen Saal und zwei kleinere Kabinette. Einen Spiegel mit dem ursprünglich die Wände geschmückt waren, erkenne ich noch.

Alle Räume verraten eine zauberhafte Vergangenheit. Alles wirkt wie im Märchen, wie aus der Welt eines Meeresgottes. Für die früheren prachtvollen Grottierungen, die teilweise noch zu sehen sind, wurden Mineralien, farbiges Glas, Kristalle und Muscheln verwendet.
Von 1963 bis 1990 lag die Muschelgrotte im Grenzgebiet zwischen Berlin und Potsdam, was zum baldigen Verfall führte. Nach der Wiedervereinigung wurde dank der Sanierungsmaßnahmen der Deckenkonstruktion und der verbliebenen Grottierungen der Verfall gestoppt.

Der Verein Förderkreis Muschelgrotte im Neuen Garten Potsdam e.V. sorgt dafür, das die schöne Muschelgrotte eines Tages wieder in ihrem hystorischen Glanz zu sehen sein wird. Die Räume der Muschelgrotte sind leider nur bei Sonderveranstaltungen zu besichtigen.

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