© Heiliger See, Foto: PMSG/ Stephanie Kalz

Ein Winterspaziergang – vom Neuen Garten zum Jungfernsee

Veröffentlicht am 5. März 2018 | Sophie Jäger

Zu jeder Jahreszeit kann man den Zauber der Havelseenlandschaft rund um Potsdam spüren. Besonders im Winter entdeckt man aber vielerorts Sichtachsen, die einem sonst durch das üppige Grün der Bäume verborgen bleiben. Der Neue Garten ist so ein Ort. Also nutze ich diesen herrlichen Wintertag für einen Spaziergang am Wasser. Unweit des Holländischen Viertels liegt der Neue Garten friedlich an den Ufern des Heiligen Sees und des Jungfernsees. Die Gotische Bibliothek am Südufer bietet mir gleich zu Beginn das perfekte Fotomotiv. Von hier führt ein kleiner Weg am Ufer entlang,  die klirrende Kälte zaubert eine Eisschicht auf das Wasser und die Sonne taucht alles in ein warmes Licht. Die leuchtende Fassade des Marmorpalais erkenne ich schon von weitem. Das Schloss, das sich König Friedrich Wilhelm II. als Sommerresidenz bauen ließ, thront über dem Heiligen See und die Terrasse lädt zum Verweilen ein. Von hier bietet sich einem eine Aussicht auf die imposanten Villen zahlreicher prominenter Potsdamer, die den neugierigen Blicken im Sommer teils nur schwer verborgen bleiben. Beim Spazieren durch den Garten wird mir bewusst, was für ein Meisterwerk der Gartenkünstler Peter Joseph Lenné durch die weitreichenden Sichtachsen geschaffen hat. In der Ferne erspäht man sogar die weißen Fassaden der Pfaueninsel. Ich stoppe schließlich am Schloss Cecilienhof. Dieser geschichtsträchtige Ort beeindruckt mich. Bis 1945 war dies noch der Wohnsitz des letzten deutschen Kronprinzenpaares Wilhelm und Cecile von Preußen. Im Sommer 1945 fand hier die Potsdamer Konferenz statt. Heute kann man die historischen Räume bei Führungen besichtigen. Ich entschließe mich aber, die letzten Sonnenstrahlen des Tages auszukosten.

Meierei am Neuen Garten / Foto: Stephanie Kalz

Auf meinem Weg entlang des Ufers entdecke ich die Meierei. Diese befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schloss Cecilienhof und bietet die perfekte Gelegenheit für eine kulinarische Pause. Direkt am Wasser kann man hier frisch zubereitete Hausmannskost probieren. Kulturbegeisterte und Sonnenanbeter genießen diesen Ort gleichermaßen. Doch mich zieht es auf den Steg hinter dem historischen Gebäude. Die Sonne kitzelt im Gesicht und wärmt – trotz der eisigen Temperaturen. Ich mache die Augen zu und fühle mich wie im Urlaub.
Der Neue Garten endet hier und ich laufe auf der Bertinistraße zum Ufer des Jungfernsees. Und wieder sind es geschichtsträchtige Pfade. Hier findet man noch einen stillen Zeitzeugen des DDR-Grenzregimes: Der Wachturm erinnert heute an die Übergangsstelle zu West-Berlin. Ein Ort der Erinnerung.
Neben den herrschaftlichen Landhausvillen entdecke ich einen Hinweis zum Berliner Mauerweg. Hier im Sommer entlang zu radeln, stelle ich mir wunderbar vor. Und schon tauche ich ein in eine herrliche Ruhe. Der kühle Wind weht mir um die Nase und ich höre das leise Knacken der Eisschollen am Ufer. Ich atme tief ein und wieder bin ich im Urlaub. Auf meinem Weg laden zahlreiche Sitzgelegenheiten zum Verweilen ein. Nach etwa vier Kilometern endet dieser Weg und die glänzenden Dächer des SAP-Gebäudes lugen durch die Baumkronen hervor. Auch hier entstehen viele Villen mit Wasserblick. In der neuen Siedlung angekommen, nutze ich die neu gebaute Tramlinie, die mich direkt zurück in die Potsdamer Innenstadt bringt. Während der Fahrt entscheide ich mich, den Tag im Holländischen Viertel bei einem Stück Käsekuchen vor dem warmen Ofen gemütlich ausklingen zu lassen. Ich falle etwas erschöpft aber entspannt und glücklich in den Sitz und weiß: Das ist es. Das ist das Potsdam-Gefühl.