© Abschlusskonzert am Neuen Palais, Foto: PMSG Nannette Neitzel

Europa übergibt an die Musen – Musikfestspiele Potsdam Sanssouci

Veröffentlicht am 4. Juli 2018 | Sophie Jäger

Ich mache mich an dem Tag auf den Weg, um das Abschlusskonzert der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci 2018 zu besuchen, als der Sommer für einen kurzen Moment beschlossen hat, zu pausieren. Die Fahrradfahrt auf dem Ökonomieweg im Park Sanssouci wird von Regenschauern begleitet.

Ohrenschmaus – trotz Regen, Foto: PMSG Nannette Neitzel

Am Neuen Palais angekommen, werfe ich einen ersten Blick auf die Bühne, eingerahmt zwischen Communs und Kolonnaden. Die Wolken hängen tief, das Orchester stimmt sich ein. Ein schöner Moment, Musik unter freiem Himmel zu hören und dabei umgeben von historischen Gebäuden zu sein. Der Rahmen auf dem einstigen Festplatz, der sogenannten Mopke, könnte nicht schöner sein. Begleitet von wechselnden Lichtstimmungen, mit denen die Kolonnaden illuminiert werden, setze ich mich auf meinen Platz und freue mich auf das Konzert.

Europas Hymnen und Fanfaren

Beethovens 9. Sinfonie, deren Ode an die Freude die offizielle Hymne der Europäischen Union ist, und Charpentiers Te deum, dessen Fanfare die Sendungen der Europäischen Rundfunkunion einleitet, werden von der Kammerakademie Potsdam gespielt. Fast alle Zuschauer – so auch ich – sind in Regenschutz gehüllt, der die Köpfe verdeckt und ein lustiges Bild abgibt. Trotz des feuchten Wetters bleiben nur wenige Plätze leer.

Das Thema 2018 ist Europa. In Potsdam präsentieren die Musikfestspiele ein Spiel ohne Grenzen. Zum Abschluss der Musikfestspiele erklingen die Werke, aus denen sich Europa seine Hymnen und Fanfaren ausschnitt, ganz und im Original. Ich kenne die Fanfare, aber das ganze Stück habe ich bisher noch nicht gehört. Beethovens 9. Sinfonie ist mir sehr vertraut. Ich schließe die Augen und genieße diesen schönen Moment. Ein wenig leidet die Akustik, aber es ist ein Open Air Konzert. Das Feuerwerk geht im Rauch auf. Egal. Das überhaupt gespielt werden kann, ist ein kleines Wunder. Die empfindlichen Instrumente mögen keine Feuchtigkeit.

Abschlussfeuerwerk, Foto: PMSG Nannette Neitzel

Dieses Festival, ein sommerliches Musikfest mitten im UNESCO-Welterbe, lädt alljährlich Musiker, Zuschauer und Fans nach Potsdam ein. Unvorstellbare 71 Konzerten, Opern und Führungen in 16 Tagen gab es in diesem Jahr bei sehr schönem und trockenem Wetter.

2019 stehen die Musen auf dem Programm

Nach den Musikfestspielen ist vor den Musikfestspielen. Der Rahmen für 2019 steht: Musen.
Im Ankündigungstext heißt es:
„Es gibt kaum ein schöneres Bild für die Wertschätzung, die Kunst entgegengebracht wird, als das Bild der Musen auf dem Parnass.
Der antiken Legende nach versammeln sich die Verkörperungen von Wissenschaft und Kunst auf einem schattigen Bergrücken, um dort in Harmonie und Einklang miteinander zu feiern. Doch man lasse sich nicht täuschen, der Parnass ist ebenso wenig reines Idyll wie gemütlicher Rückzugsort. Schon in den antiken Legenden ist das Treffen der Musen keineswegs frei von Konflikten.“

Jedes Jahr ein neues Thema und 2019 gibt es darüber hinaus eine weitere Veränderung: Die Geschäftsführung wechselt. Dr. Andrea Palent hat seit 1991 dieses Festival geleitet. Nun wird die Musikerin Dorothee Oberlinger die Intendanz übernehmen.
Ein Blick auf die Spielstätten verrät: Die Potsdamer Kulturlandschaft bleibt Kulisse und Ort für dieses Festival der Musik. Vom 7. bis 23. Juni 2019 ist wieder Festspielzeit.

Mehr Infos unter: www.musikfestspiele-potsdam.de