© Erde, Foto: PMSG Ina Kubitza

In einer Nacht um die Welt – Wissenschaft auf dem Telegrafenberg

Veröffentlicht am 6. Juli 2018 | Nadine Redlich

Zur Langen Nacht der Wissenschaften präsentieren die Mitarbeiter der Institute auf dem Telegrafenberg jährlich ihre aktuellen Forschungsarbeiten. Auf einer Wissenschaftsrallye konnten die Gäste selber experimentieren, spannenden Geschichten lauschen oder sich Messinstrumente erklären lassen. Lest in meinem Forschungsbericht, was ich bei der Veranstaltung Anfang Juni alles entdeckt habe.

Telegrafenberg-Forscherdiplom

Lange Nacht der Wissenschaften 2018

Infostände, Foto: PMSG Ina Kubitza

Kurz nach fünf Uhr komme ich schnaufend auf dem Telegrafenberg an. Es sind noch nicht allzu viele Besucher da, die Sonne scheint und die Stimmung ist entspannt. Gleich am Eingang begrüßen mich zwei junge Frauen freundlich am Infostand. Ich könne doch die Rallye mitmachen und das offizielle Telegrafenberg-Forscherdiplom erwerben. Ich müsse nur fünf der Stationen mit einem Symbol absolvieren. Und hinterher gäbe es als Preis eine tolle Überraschung. Vom Forschergeist gepackt schnappe ich mir das Programm und ziehe los.

Erdbebendiplom bei der Langen Nacht der Wissenschaften

Erdbebendiplom, Foto: PMSG Ina Kubitza

Schon tauchen die ersten Infostände auf, an denen bereits einige Besucher eifrig am Experimentieren sind. Meine erste Station ist das Seismik-Experiment. Mit einem Hammer schlage ich auf einen Bolzen. Ein angeschlossener Sensor misst die Erdbebenstärke, die ich damit verursacht habe. Die Wissenschaftler erklären dabei, dass der Boden durch die lang anhaltende Trockenheit die Schwingungen nicht so gut weiterleitet wie sonst. Ich bin mir nicht sicher, ob sie mich trösten wollen, weil es sich wohl eher um eine leichte Erschütterung handelt als um ein ernst zu nehmendes Erdbeben. Egal, ich bekomme mein Erdbebendiplom überreicht.

Gleich neben dem Messfeld des Deutschen Wetterdienstes befindet sich die Wetterküche. Hier haben Potsdamer Schüler zusammen mit Mitarbeitern des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) eine kleine Ausstellung zur Geschichte der wissenschaftlichen Einrichtungen auf dem Telegrafenberg eingerichtet. Zu sehen ist zum Beispiel ein Wasserstoffballon, in dem Potsdamer Meteologen einen Höhenrekord aufstellten und so wertvolle Messungen in luftiger Höhe durchführen konnten.

Geheime Botschaften und eine Eisprinzessin

Zur Langen Nacht bot sich auch die Gelegenheit, den optischen Telegrafen einmal in Aktion zu sehen. Schließlich gab dieser dem ganzen Gelände seinen heutigen Namen. Ich erfahre, dass die Telegrafen selbst gar keine Ahnung hatten, welche Nachrichten sie dort verschicken. Meist handelte es sich um militärische Geheimbotschaften. Die Hunderte von Signalstellungen waren in speziellen Büchern codiert.

Als nächstes steuerte ich einen Vortrag im Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung über Polarforschung in Alaska an. Neben ihren aktuellen Forschungen zum Permafrostboden erzählte die kleine, zierliche Frau über ihren Alltag während solcher Forschungsaufenthalte. Eingefrorene Wasserleitungen gehören ebenso dazu wie Millionen winziger Mücken oder weggewehte Toilettenzelte. Sie wird dafür von ihrem kleinen Sohn liebevoll, und nicht ganz ohne Stolz „Eisprinzessin“ genannt, erzählt sie weiter. Ihre Augen strahlen dabei. Vor dem Gebäude sind noch verschiedene Stände mit Modellen aufgebaut, an denen man noch einmal alles nachvollziehen kann.

Telegrafenanlage auf dem Telegrafenberg

Telegrafenanlage, Foto: PMSG Ina Kubitza

Ausrüstung eines Vulkanforschers

Nach so viel Schnee und Eis ist mir nach etwas Wärmeren zumute. Mein Ziel ist der Stand der Vulkanforscher. Ein Vulkanologe drückt mir zuversichtlich einen Quizbogen in die Hand. Ich beginne, die erste Frage durchzulesen, dann die zweite, dann die dritte…. Fieberhaft versuche ich, Hinweise für die korrekten Antworten am Stand zu finden. Doch so einfach haben sie es hier nicht gemacht. Meine Forschungsmethode wechselt nun gezwungenermaßen zu Versuch und Irrtum. Zum Glück probiert ein anderer Besucher in der Zwischenzeit den Hitzeschutzanzug aus. Um ein wenig Zeit zu schinden, schaue ich ihm konzentriert zu und entdecke dabei allerlei Gerätschaften, die verstreut auf dem Tisch liegen. Da erweist sich zumindest die letzte Frage nach den Dingen, die ein Vulkanologe auf Expedition braucht, als Kinderspiel. Ich notiere hektisch alle Ausrüstungsgegenstände, die ich zuordnen kann. Damit komme ich gerade noch durch und erhalte den ersehnten Stempel.

Ich schaue mich an den Ständen links und rechts um auf der Suche nach einer anderen, leichteren Station. Noch fehlt mir ein Stempel. Ich bleibe an einem Stand mit einer etwas umständlich aussehenden Apparatur stehen. „Das ist ein spezieller Wasserfilter, damit werden Flusssedimente im Himalaja gefiltert, um Rückschlüsse auf Niederschlagsmengen zu erhalten“, erklärt mir der Forscher am Stand. Ich könne doch gerne einmal die nebenstehende Wasserprobe aus Potsdam filtern und analysieren, es sei auch gar nicht schwer. Also mache ich mich ans Werk. Und wirklich, bald darauf habe ich meine letzte Herausforderung gemeistert.

Ziel erreicht? Forschergeist geweckt!

Die Arbeit des Vulkanologen

Die Arbeit des Vulkanologen, Foto: PMSG Ina Kubitza

Viele andere Stationen habe ich nicht geschafft. Dazu gehören zum Beispiel der wegen seiner eigenwilligen Architektur berühmte Einsteinturm und der Große Refraktor. Auch eine Führung über das Gelände wäre sicher interessant gewesen. Ein anderes Mal bestimmt, denke ich und gehe nun zielstrebig auf den Infostand am Eingang zu, um meine Ergebnisse zu präsentieren.

Was ich aus dieser Nacht auf dem Telegrafenberg mitnehme? Natürlich mein hart erarbeitetes Telegrafenberg-Forscherdiplom samt dazugehörigen Forschungsunterlagen. Als Preis habe ich mir ein blaues Notizbuch vom GFZ ausgesucht. Das Besondere daran: es ist aus Steinpapier gefertigt. Klingt ja spannend und direkt nach einer nächsten Forschungsaufgabe, denke ich mir. Doch heute Abend bin ich dazu zu müde. Wie in einer richtigen Feldarbeit habe ich auch das Gefühl dafür bekommen, wie groß doch manchmal die Herausforderungen vor Ort sind. Gleichzeitig Experimente durchführen, die Beobachtungen und Messergebnisse notieren und dazu noch Fotos schießen, das kann ganz schön anstrengend sein. Ich bin nur froh, dass ich nicht bei minus 30°C experimentieren musste. Ich bekam auch eine Ahnung davon, wie vielschichtig unsere Erde und das Weltall sind und was es noch alles zu erforschen gibt. Potsdam kann dabei auf eine lange Tradition zurückschauen und setzt auch heute noch Maßstäbe auf internationalem Gebiet.

Mein Tipp: Es gibt einen mit Infotafeln beschriebenen Rundgang über  dem Telegrafenberg, der ganzjährig für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Beim Pförtner am Eingang des Geländes erhält man einen Plan mit zusätzlichen Informationen.