© Foto: PMSG André Stiebitz

Landtag Brandenburg – Herzstück der Landespolitik in Potsdams historischer Mitte

Veröffentlicht am 1. Juli 2019 | Nadine Redlich

Standort mit wechselhafter Geschichte

Frontalansicht des Landtagsgebäudes am Alten Markt (© Landtag Brandenburg / Manuel Dahmann)

Das Gelände des heutigen Brandenburger Landtagsgebäudes gehört zu den ältesten Siedlungsgebieten in Potsdam. Friedrich Wilhelm von Brandenburg ließ hier zwischen 1664 und 1669 ein Schloss nach holländischem Vorbild erbauen. Auf Wunsch von König Friedrich II. gestaltete der Architekt Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff das Gebäude in ein Barockschloss im Stil des Friderizianischen Rokoko um.

Freigelegtes Bodendenkmal auf dem Alten Markt (© Landtag Brandenburg)

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs – und damit auch der Monarchie – erhielt das Stadtschloss einen Sitzungssaal für die Stadtverordneten sowie Ausschuss- und Fraktionszimmer. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges brannte es jedoch nieder; 1959 beschlossen die sozialistischen Machthaber der DDR schließlich den vollständigen Abriss der Ruine. In den folgenden Jahren wandelte sich das Gelände stetig: vom Verkehrsknotenpunkt zum Standort eines neuen Theaters, dessen Rohbau im Jahr 1991 jedoch abgerissen wurde.

Angesichts der zunehmenden Baufälligkeit des provisorischen Landtagsdomizils auf dem Potsdamer Brauhausberg fasste der Landtag Brandenburg im Jahr 2005 den Beschluss, ein neues Parlamentsgebäude in den Um- und Aufrissen des historischen Potsdamer Stadtschlosses material- und werkgetreu unter der Leitung des Architekten Prof. Peter Kulka zu errichten. Die Planungen und anschließenden Bauarbeiten nahmen insgesamt neun Jahre in Anspruch.

Ruine des Stadtschlosses nach 1945 (© Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin)

Das Landtagsgebäude wurde im Rahmen einer parlamentarischen Feierstunde am 21. Januar 2014 offiziell eingeweiht. Die erste Plenarsitzung am neuen Standort fand einen Tag später statt.
Damit ist der Landtag Brandenburg ganz im Wortsinne näher an die Menschen gerückt. Die Bürgerinnen und Bürger sind im architektonischen Konzept des neuen Landtags nicht nur gelegentliche Besucher, sondern selbst Nutzer des Gebäudes.
Weitere Informationen zur Geschichte des Landtagsgebäudes gibt es hier.

Ein Rundgang durch das neue Parlamentsgebäude

Blick vom Hotel Mercure auf die Landtagsbaustelle im Oktober 2011 (© Peter Thieme)

Durch das Fortunaportal gelangen die Besucherinnen und Besucher in den öffentlichen Innenhof des Parlamentsgebäudes. Der Blick fällt sogleich auf die zwei vom Zentraloval des Schlosses Sanssouci abgeleiteten illusionistischen Pavillons. Dieses Werk mit dem Titel „Zugabe“ des Künstlers Florian Dombois ging aus einem 2011 ausgelobten Wettbewerb „Kunst am Bau“ als erstplatzierte Arbeit hervor. Die im Wettbewerb zweitplatzierte Arbeit der Künstlerin Anette Paul, der goldene Schriftzug „Ceci n’est pas un château.“ (dt.: „Dies ist kein Schloss.“), wurde an der westlichen Außenfassade des Landtages umgesetzt.

Auf ihrem Weg in das Landtagsgebäude durchqueren Besucherinnen und Besucher das Knobelsdorff-Treppenhaus – das Bindeglied zwischen der historischen Fassadengestaltung und der modernen Innenarchitektur.

Plenarsaal Landtag Brandenburg

Blick in den Plenarsaal (© Landtag Brandenburg / Manuel Dahmann)

Innenhof des neuen Landtages (© Landtag Brandenburg / Manuel Dahmann)

Neu geschaffene und durch großzügige Lichträume erhellte Treppenaufgänge und Aufzüge geleiten die Besucherinnen und Besucher in das erste Obergeschoss. Dort befindet sich der bauliche Mittelpunkt: der in den Landesfarben Brandenburgs gestaltete Plenarsaal, der Platz für 88 Abgeordnete bietet und über eine Gästetribüne für 160 Besucher verfügt. Interessierte können sich unter oeffentlichkeitsarbeit@landtag.brandenburg.de für die Teilnahme als Gast an Plenarsitzungen anmelden. Auch außerhalb des Plenarsaals arbeiten die Abgeordneten, die Fraktionen und die Landtagsverwaltung in Räumen, die auf einen modernen Parlamentsbetrieb zugeschnitten sind.

Wer das Gebäude selbst erkunden möchte, kann sich über die verschiedenen Angebote des Besucherdiensts informieren.

Politik und viel mehr: Wechselnde Ausstellungen im Landtagsgebäude

Historisches Treppenhaus (© Peter Thieme)

Der Landtag ist nicht nur der Ort der politischen Diskussion über die Angelegenheiten des Landes Brandenburg. Er ist auch ein Ort, an dem sich das Land in der Vielfalt seiner Regionen mit ihren kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Eigenheiten darstellt und austauscht. Aus diesem Grund zeigt der Landtag in Zusammenarbeit mit externen Kooperationspartnern regelmäßig Ausstellungen im Foyer, die einen inhaltlichen Bezug zum Land Brandenburg bzw. zu den Themenfeldern Politik und Parlamentarismus aufweisen.

Darüber hinaus kooperiert der Landtag jährlich wechselnd mit einem der Landesmuseen und zeigt in den öffentlichen Bereichen des Südflügels Ausstellungen aus den jeweiligen Sammlungen, die vornehmlich Brandenburger Künstlerinnen und Künstler fokussieren. Weitere Informationen zu den aktuellen Ausstellungen finden Interessierte hier.

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