© Picknickkonzert, PMSG/André Stiebitz

Musikfestspiele | Tango am Tiefen See

Veröffentlicht am 19. Juni 2017 | Claudia Kumke

So geht sommerlicher Kulturgenuss: Mit einer Picknickdecke, ein paar Snacks und einer Flasche Wein im Gepäck radelten mein Freund und ich am vergangenen Samstag zur Liegewiese am Tiefen See im Babelsberger Park, wo uns schon im Wind flatternde Fahnen mit dem „Musikfestspiele Potsdam Sanssouci“-Logo begrüßten. Das Wetter spielte mit und Schönwetterwölkchen zogen am Himmel entlang und wir freuten uns auf das uns bevorstehende Picknickkonzert im Welterbe.

Als Eintrittskarte gab es eine Halskette, die sofort eine Art Gemeinschaftsgefühl vermittelte, da alle Kulturanbeter sie trugen als sie es sich auf ihren Handtüchern, Decken und Klappstühlen gemütlich machten und die mitgebrachten Leckereien arrangierten. Jung und Alt, Mutti und Vati, Freunde, Großeltern mit ihren Enkeln – die unterschiedlichsten Picknicker folgten der Einladung der Musikfestspiele und genossen die  ausgelassene, lockere Stimmung, die mal so ganz anders war als im Konzertsaal.

Der Abend stand unter dem Motto „Wasser“, welches großartig zum Veranstaltungsort und natürlich zum dem Jahresthema „Erde Wasser Feuer Luft“ passte. Den Auftakt machte der flämische Akkordeonvirtuose Ludo Mariën mit einem recht getragenen Stück, das nicht auf Anhieb zur fröhlichen Sommerstimmung passte. Es wurde gequatscht, genascht, getrunken und da der auffrischende Wind die Akkordeonklänge wegtrug, ging seine Musik bedauerlicherweise etwas unter.

Als zweiter Teil war das Quartett „German Hornsound“ geladen, bestehend aus den vier Hornisten Christoph Eß, Timo Steininger, Sebastian Schorr & Stephan Schottstädt, das sich mit frischen Arrangements durch die Musikgeschichte von Händel über Strauss bis Deep Purple spielte und für gute Laune sorgte. Auch die Ansagen zwischen den Stücken waren spritzig und amüsant, der zweite Teil des Abends war definitiv der Gewinner! Schön, dass auch Zeit zum Träumen blieb. Mit dem Gesicht zum Himmel sah ich die Wolken vorüberziehen, spürte die Sonne auf meiner Haut, hörte entfernte Gespräche und beschwingte Tangos von Piazzolla und war glücklich: so fühlt sich Sommer an!

Nach 90 Minuten war der Zauber vorbei und das erschien etwas abrupt. Man hätte durchaus noch länger fröhlicher Musik lauschen können! Neunzig Minuten im Konzertsaal fühlen sich anders an als neunzig Minuten unter freiem Himmel mit Knabbereien. Das sahen auch viele andere Menschen im Publikum so und blieben einfach liegen und ließen den Abend auf der Picknickdecke ausklingen, obwohl die Musik bereits verklungen war und ringsherum geschäftig aufgeräumt wurde.

Unser Resümee: Das Picknickkonzert ist eine schöne Alternative für Musikfreunde, die es entspannt mögen. Steife Kleidung fällt weg, unbequeme Haltung in engen Reihen ebenso, genauso wie stickige Luft und immer der gleiche hustende Mensch in Reihe 10 – Open Air im Sonnenschein, vor toller Kulisse und mit der Lieblingssüßigkeit dessen Tüte rascheln darf ist eine wunderbare Erfahrung. Auch Familien profitieren von diesem Format! Uns gefiel es gut und wir sind sicher wieder dabei.