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Schloss Glienicke – wie Italien an der Havel

Veröffentlicht am 16. Mai 2018 | Nadine Redlich

Wie oft bin ich schon an der Großen Neugierde, ein als Teepavillion errichteter Rundtempel unweit der Glienicker Brücke, vorbeigefahren und habe mir geschworen, anzuhalten und Schloss Glienicke mit seinem Park zu besuchen? Dank einer Einladung von Anke Berkhoff, Schlossbereichsleiterin, kam ich nun endlich dazu. Sie führte mich durch das spannende Ensemble.

Pleaseground ©SPSG Nannette Neitzel

Pleasureground © SPSG Nannette Neitzel

Büste von Prinz Carl von Preußen - Hausherr (c)SPSG Nannette Neitzel

Büste von Prinz Carl von Preußen – Hausherr (c)SPSG Nannette Neitzel

Beim Betreten des Parks knirschen die kleinen Steinchen auf den Wegen unter meinen Schuhen, ich laufe unter Bäumen, im Schatten und hinter fast jeder Ecke entdecke ich eine neue Überraschung.
Prinz Carl, der drittgeborene Sohn von König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise lebte hier. Er galt als leidenschaftlicher Sammler und Antikenliebhaber. Viele Reisen führten Carl nach Italien. Seine Mitbringsel präsentierte er in dem Schloss und dem schön angelegten Garten. Italien galt seine Liebe. Seine Sommerresidenz  vor den Toren Potsdams sollte ein Stück Italien an die Havel bringen.

Im idyllischen Gartenhof zeugen beispielsweise Spolien von dieser Leidenschaft. Sie verzieren die Mauern und lassen mich immer wieder innehalten und staunen.

Das Schloss präsentiert sich heute im klassizistischen Stil, so wie Prinz Carl es ab 1824 umbauen ließ. Glienicke wurde zu einem repräsentativen Sommersitz, einer italienischen Villa in einer südlich anmutenden Landschaft. Das Universalgenie Karl Friedrich Schinkel und später sein Schüler Ludwig Persius legten hier Hand an. Peter Joseph Lenné gestaltete den Pleasureground.

Spolien in Gartenhof (c)SPSG Nannette Neitzel

Spolien in Gartenhof (c) SPSG Nannette Neitzel

Schlossführung in Pantoffeln (c) SPSG Nannette Neitzel

Schlossführung in Pantoffeln (c) SPSG Nannette Neitzel

Marie von Sachsen-Weimar war seit 1827 Ehefrau von Prinz Carl. Anke Berkhoff beschreibt Sie als gebildete und kluge Frau. Das Paar hatte drei Kinder, ein Sohn und zwei Töchter. Prinz Carl und Prinzessin Marie nutzten den Gartensaal für Empfänge, Konzerte und Salons. Der Tradition der früheren Besitzer folgend, finden heute viele Konzerte im Gartensaal statt (Übersicht der aktuellen Veranstaltungen). Der Blick in den Garten ist wirklich ganz besonders und lädt zum Träumen ein.

Der Schlossrundgang führt mich in das Obergeschoss des Schlosses. Zeit für Schlosspantoffeln. Ab sofort schieben wir uns durch die Räume, die sich in unterschiedlichen Farbtönen präsentieren. Das Grün im Grünen Salon war damals „en vogue“, heute erscheint der Farbton ziemlich schrill. Moden ändern sich.

Huf Agathon als Tintenfass (c)SPSG Nannette Neitzel

Huf Agathon als Tintenfass (c) SPSG Nannette Neitzel

Obwohl nur wenig originales Interieur erhalten geblieben ist, präsentiert Anke Berkhoff einige Erinnerungen an den einstigen Besitzer, der ganze 60 Sommer im Schloss Glienicke verbringen konnte. Er war ein begeisterter  Jagd- und Pferdeliebhaber. Er führte die Parforcejagd wieder ein und reaktivierte damit ein wichtigstes gesellschaftliches Ereignis. Den Huf seines Lieblingspferdes Agathon ließ er nach dessen Tod zu einem Tintenfass umgestalteten, heute zu sehen im Blauen Eckzimmer.

Den wohl schönsten Seeblick hat man von der Westseite des Casinos im Park Glienicke. Eingerahmt vom Jungfernsee bietet sich ein atemberaubender Blick auf die Glienicker Brücke, die Villa Schöningen, Kongnaes und  das Pfingstberg Belvedere. Die untergehende Sonne gibt einen weiteren Farbton hinzu: vervollkommnet den Blick auf Natur und Architektur gepaart mit glitzerndem Nass. Prinz Carl verglich diese Situation mit einer mittelmeerischen Meeresbucht – den Golf von Neapel.

Und was hat es mit der Großen Neugierde auf sich? Dieser Rundtempel ist zunächst ein absoluter Hingucker. „Entrée und Ouvertüre für das klassizistische Glienicker Ensemble“ – so steht es im kleinen Reiseführer Schloss und Park Glienicke. Meine Aufmerksamkeit hat die Große Neugierde auch auf sich gezogen.
Zu Lebzeiten von Prinz Carl gab es im Inneren Bänke. Hier ließ sich der Hausherr nieder und beobachtete das Geschehen auf der Straße. Wer kam vorbei, wo fuhr er hin?

Es gibt noch so viel zu entdecken! Ich komme wieder, ganz sicher.

 

Blick vom Casino auf den Jungfernsee (c)SPSG Nannette Neitzel

Blick vom Casino auf den Jungfernsee (c)SPSG Nannette Neitzel