Filme kieken. Drehorte entdecken.

Dreharbeiten im Holländischen Viertel, Foto: PMSG André Stiebitz

Es gibt viel zu “kieken” in Potsdam. Nicht nur auf der Leinwand, sondern auch hinter den Kulissen. Die Kamera steht nicht still. Potsdam pflegt eine lange währende, national wie international bedeutende Filmtradition. 1911 wurde von der 1899 gegründeten Firma Deutsche Bioskop der Grundstein für das Studio Babelsberg gelegt, das damit das älteste Großatelier-Filmstudio der Welt ist. 1912 fiel die erste Klappe für den Film „Der Totentanz” mit Asta Nielsen in der Hauptrolle. Seitdem steht die Stadt im Fokus namhafter Filmemacher.

Filmgrößen in Babelsberg

Das Filmstudio hat die internationale Entwicklung des Kinos seit eh und je mitbestimmt und war wegweisend in filmtechnischen Innovationen, wie beispielsweise die Erfindung der „entfesselten Kamera“, des Science Fiction, des Countdowns oder der ersten Ton- und Farbfilme. „Metropolis“, „Der Blaue Engel“, „Die Legende von Paul und Paula“, „Sonnenallee“, „Der Vorleser“, „Inglourious Basterds“, „Grand Budapest Hotel“, „Das kalte Herz“ oder „Bridge of Spies“ stehen auf der langen Liste der in Babelsberg gedrehten Filme. Waren es in den ersten Jahrzehnten der Studiogeschichte Namen wie Ernst Lubitsch, Fritz Lang, Alfred Hitchcock und Billy Wilder, inszenierten hier zu DEFA-Zeiten Regiegrößen wie Wolfgang Staudte, Kurz Maetzig, Konrad Wolf. Volker Schlöndorff und Schauspieler-Stars wie Kate Winslet, Matt Damon,  Brad Pitt, Tom Hanks, Cate Blanchett, Hugh Grant und George Clooney geben sich heute in Babelsberg ebenso die Klinke in die Hand wie die zahlreichen deutschen Filmstars.

Film erleben

Filmpark Babelsberg, Foto: PMSG Nadine Redlich

Der Filmpark Babelsberg neben des Studios setzt für die Besucher Film als Erlebnis in Szene: Kulissen, Requisiten, Kostüme und Technik. Auch Filmhandwerk, Filmgeschichte und aktuelles Filmgeschehen werden für den Gast unterhaltsam aufbereitet. Das 4D-Action-Kino, Stuntshows, die Sandmann-Ausstellung und die Original-Außenkulissen der Seifenoper „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ oder des Kinofilms „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ sind nur einige der Attraktionen, die täglich hunderte Besucher in dem beliebten Freizeitpark in den Bann ziehen.

Film studieren

Ein weiterer integraler Bestandteil der ca. 150 Institutionen umfassenden „Medienstadt Babelsberg“ und gleichzeitig die Kaderschmiede für den filmischen Nachwuchs ist die 1954 ursprünglich im Schloss Babelsberg gegründete Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, an der neben Regie, Schauspiel, Produktion und Drehbuch auch Digitale Medienkultur, Szenografie und Filmmusik zu den insgesamt 14 Studiengängen gehören. Regisseur Andreas Dresen, Schauspieler Bjarne Mädel und Seeed-Frontmann Dellé haben dort ihr Handwerk gelernt.

Filme sehen

Filmmuseum Potsdam im Marstall, Foto: Barbara Plate

Das Filmmuseum Potsdam in der historischen Mitte der brandenburgischen Landeshauptstadt gehört als ältestes Filmmuseum in Deutschland seit 2011 ebenfalls zur Filmuniversität. Das Museum im ehemaligen Reitpferdestall der Preußenkönige, 1685 als Orangerie gebaut, bekam seine heutige Gestalt im 18. Jahrhundert von Sanssouci-Baumeister Knobelsdorff. Die Dauerausstellung „Traumfabrik – 100 Jahre Film in Babelsberg“ und zusätzlich wechselnde Ausstellungen zeigen Original-Kostüme und -Requisiten, entführen die Besucher in die Welt des Films und machen die vielseitige Filmgeschichte und das Filmhandwerk mit seinen unterschiedlichen Gewerken interaktiv erlebbar. Auch das Kino als Teil des Museums spiegelt mit seinem Programm das breite Spektrum des Films wider.

Hinter den Kulissen

Sowohl in Potsdam als auch in der Umgebung gibt es einmalige Kulissen und Drehorte. Viele bekannte Film- und Fernsehproduktionen wurden im gesamten Stadtgebiet von Potsdam gedreht. So war das innerstädtische Holländische Viertel Drehort zum Kinderkinofilm „Hexe Lili“ und diente in der US-Serie „Homeland“ mit Claire Danes als Amsterdam.

Im Park Sanssouci drehte am Neuen Palais schon Stanley Kubrick sein Epos „Berry Lyndan“, wandelten Jackie Chun und Arnold Schwarzenegger „In 80 Tagen um die Welt“ und lief Matthias Brand als Kaiser in „Des Kaisers neue Kleider“ eindeutig die Treppe des Orangerieschlosses herab.

Am Alten Markt sind Szenen zu „Die Welle“ mit Jürgen Vogel gedreht worden, am Neuen Markt zu „Husaren in Berlin“ mit Manfred Krug, „Sophie – Braut wider Willen“ und „Hit Man – Agent47“. Die in Potsdam spielende Fernsehserie „Jerks“ von und mit dem Wahl-Potsdamer Schauspieler Christian Ulmen wurde an 32 Originalmotiven in der Stadt gedreht.

 

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