Schloss und Kulturlandschaft Paretz

Im Jahr 1197 werden zwei Nachbardörfer an der Havel nahe Ketzin erwähnt; beide haben fast den gleichen Namen: „Poratz“ bzw. „Slavica Poracz“. Das eine Dorf wurde von deutschen Bauern besiedelt, das andere von slawischen Fischern. Auf letztere geht auch der Name zurück: „Po reka“, also Ort „am Fluss“, aus dem später Paretz wurde. Beide Dörfer wuchsen bis etwa 1300 zusammen. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts im Besitz der Adelsfamilien von Diericke und von Arnim, gelangte der Ort 1658 an die Familie von Blumenthal. Diese verkauften es 1797 an den preußischen Kronprinzen, der noch im selben Jahr preußischer König wurde. Er und seine berühmte Gemahlin Königin Luise haben in Paretz von 1797 bis 1805 in jedem Spätsommer bis hin zum Erntefest Quartier genommen und führten hier ein fast bürgerliches Leben. Bedingt durch den frühen Tod Luises im Jahr 1810 und die Wirren der napoleonischen Kriege nahm der König erst ab 1815 diese Tradition wieder auf und behielt sie bis kurz vor seinem Tod bei. Als Aufenthalt diente das nach Entwurf von David Gilly 1797/98 im frühklassizistischen Stil erbaute Schloss, wobei Teile eines Vorgängerbaus integriert wurden. Im gleichen Jahr wurde auch die Musterdorfanlage von David Gilly erbaut. Den Ehrenhof an der Straße flankierten einst ein Stall und eine Remise. Im Inneren des Schlosses ist vor allem die Ausstattung mit ihren originalen Bildtapeten bemerkenswert. Zum Anwesen gehört ein Park, der sich in den südlichen Schlossgarten, den nördlich gelegenen Kirchgarten und den Rohrhausgarten an der Straße nach Ketzin gliedert.